Kooperatives Lernen: Die Partnerklasse


Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (2013):

Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die neben rechtlichen Rahmen-bedingungen und Ressourcen auch eine veränderte Einstellung innerhalb der Gesellschaft erfordert. Es handelt sich um einen Prozess, bei dem alle beteiligten Partner zusammenwirken müssen, um zunehmend und nachhaltig Verbesserungen erreichen zu können.“

Um diese veränderte Einstellung in der Gesellschaft zu erreichen, ist es notwendig, Barrieren abzubauen und den anderen ganzheitlich kennen zu lernen. Dies ermöglicht das Prinzip der Partnerklassen, denn die Kinder lernen im täglichen Miteinander den anderen zu schätzen und zu achten- egal ob er eine Behinderung hat oder nicht.

Zitat eines Realschülers aus der Klasse 6a am Ende der zweijährigen Zeit in der Partnerklasse:
„Am Anfang war es schon schwierig, denn man kannte sich ja noch nicht und dann wusste ich nicht, wie ich mit den Partnerkindern umgehen sollte. Aber dann haben wir uns kennen gelernt und gemerkt, dass wir prima miteinander spielen und reden können. Wer sagt, dass die Partnerklasse blöd ist, der weiß nicht, was Spaß macht!“




Was ist eine Partnerklasse?


Das BayEug (Bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz) definiert Partnerklassen folgendermaßen (Art. 30a Abs. 7):

„Partnerklassen sind vor allem Klassen der Förderschule an einer allgemeinen Schule, die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen. Hier arbeiten eine Klasse der Förderschule und eine Klasse der allgemeinen Schule zusammen. Art und Umfang des gemeinsamen Unterrichts stimmen die Lehrkräfte miteinander ab.



 

 



Wer besucht eine Partnerklasse?


Die Klasse setzt sich aus 15-18 Realschülern und 8-10 Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zusammen. Zusammen bilden sie im ersten Jahr die Klasse 5a, im zweiten Jahr die Klasse 6a. Nachdem die Realschüler ab der 7.Klasse in die Wahlpflichtfächergruppen aufgeteilt werden, gehen die Förderschüler nach der 6. Klasse zurück an ihre Stammschule, die Jakob Muth Schule in der Waldaustraße in Nürnberg.



Gemeinsam für eine starke Zukunft!


Wer unterrichtet in der Partnerklasse?

In den Hauptfächern werden die Förderschüler von einer Förderlehrerin aus der Jakob-Muth-Schule unterrichtet. Zusätzlich ist wegen des erhöhten pflegerischen Aufwandes in jeder Förderklasse auch eine Kinderpflegerin, die die Förderlehrerin unterstützt.

Die Realschüler werden, wie in jeder anderen Realschulklasse auch, von Fachlehrern nach dem jeweils gültigen Realschullehrplan unterrichtet.

Der gemeinsame und regelmäßig stattfindende Unterricht findet in Fächern statt, die für Realschüler keine Vorrückungsfächer sind. Dies sind Musik, Kunst und Sport. Hier haben die Förder- und Realschüler immer gemeinsamen Unterricht (siehe auch: Besonderheiten des Stundenplans).

Der Förderlehrer und der Klassenleiter der Realschüler bilden zusammen das Klassenlehrerteam der Partnerklasse.



Wie ist die räumliche Situation in der Partnerklasse?

Jede Partnerklasse hat zwei Klassenzimmer. Die Zimmer der im Moment im Haus vorhandenen zwei Partnerklassen liegen direkt nebeneinander, damit sich das Personal der Förderschule schnell austauschen kann. Diese vier Zimmer sind durch eine Glastür vom restlichen Gang abgeschirmt, so dass man auch den Bereich vor den Zimmern als Begegnungsraum nutzen kann, beispielsweise für Gruppenarbeiten. Im Schuljahr 2013/2014 wurde zudem in diesem Bereich ein Teil des Gangs durch eine Glaswand abgetrennt. Dies war nötig, damit die Förderlehrerinnen einen Raum für Elterngespräche, die Teams der Partnerklassen einen Raum für gemeinsame Treffen und Schüler einen Raum zum Rückzug haben.

 


Auf dem Gang befinden sich abschließbare Schränke der Förderschule, in denen die Förderlehrerinnen Material lagern, das sie gemeinsam nutzen.


Die Zimmer der Partnerklasse werden als Klassenzimmer und als Gruppenraum bezeichnet. Dabei ist das Klassenzimmer der Raum, in dem die Realschüler von den jeweiligen Fachlehrern unterrichtet werden und hier finden in der Regel die gemeinsamen Unterrichtseinheiten, die Klassleiterstunden, die Wochenplanstunden und das Frühstück statt.


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Der Gruppenraum ist das Klassenzimmer der Förderschüler. Hier findet deren Fachunterricht statt. Die Einrichtung der Räume ist den Erfordernissen der jeweiligen Schulart angepasst und ermöglicht immer Begegnungsmöglichkeiten.



Was ist die Tagesstätte?

Am Nachmittag werden die Förderschüler nicht mehr von der Förderlehrerin unterrichtet, sondern in der Tagesstätte betreut. Die Kinderpflegerin wird dabei von einer Erzieherin unterstützt. Da einige Förderschüler schon nach dem Vormittagsunterricht nach Hause geholt werden, sind in der Tagesstätte am Nachmittag in der Regel weniger Förderschüler als am Vormittag.


Welche Besonderheiten gibt es im Stundenplan der Partnerklasse?

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Die Realschüler erarbeiten grundsätzlich denselben Stoff wie alle anderen Realschüler. Dann werden vielfältige gemeinsame unterrichtliche Aktivitäten mit den Partnerkindern durchgeführt. Außerdem verbringen die Schüler täglich freie Zeit miteinander, denn sie sollen sich gegenseitig kennen lernen, Zeit zum Reden und Spielen haben. Deswegen ist jede Partnerklasse eine Ganztagessklasse und es wurden in den Stundenplan festgelegte gemeinsame Zeiten eingebaut.


 

 

 




Gemeinsamer Fachunterricht


Der Unterricht in den Fächern Musik, Kunst und Sport, welches keine Vorrückungsfächer für die Realschüler sind, findet immer gemeinsam statt. Die Förderlehrerin und der jeweilige Fachlehrer aus der Realschule arbeiten eng zusammen und sprechen gemeinsam die Unterrichtsinhalte ab. Sie wechseln sich in der Regel auch bei der Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts ab.


Frühstück Je nach Klassenstufe findet sich die Partnerklasse 2 oder 3 Mal pro Woche zum gemeinsamen Frühstück im Klassenzimmer ein. Es gibt fest eingeteilte Dienste, die den Frühstückswagen aus der Mensa holen, den Tisch decken, sauber machen, so dass genügend Zeit bleibt, um gemeinsam zu essen und zu reden. Das Frühstück beginnt mit dem Morgenkreis- die Schüler singen gemeinsam ein Lied, erzählen sich gegenseitig vom Wochenende oder spielen ein Gemeinschaftsspiel.
Klassenrat Um Problemen frühzeitig aus dem Weg zu gehen, gibt es in der Partnerklasse einmal in der Woche den Klassenrat. Die Schüler leiten diesen selbstständig, die beiden Klassenlehrer nehmen teil und greifen nur im Notfall ein. Die Schüler lernen dabei, Probleme sachlich anzusprechen und nach konstruktiven Lösungen zu suchen.
Wochenplan Drei Mal in der Woche findet der Wochenplan statt. Die gesamte Partnerklasse kommt in einer Mathestunde, einer Deutschstunde und einer Englischstunde im Klassenzimmer zusammen. Nach dem Abspielen einer entspannenden Musik bekommen die Schüler von den jeweiligen Lehrern Aufgaben. Sie haben dann jeweils 45Minuten Zeit, diese Aufgaben zu lösen. Dabei gehen die anwesenden Lehrer herum und helfen den Kindern.
Klassenstunde Auch die wöchentliche Klassenstunde am Dienstag, die der Information und Aussprache dient, findet mit allen Schülern der Partnerklasse und mit den beiden Klassenlehrern im Klassenzimmer statt.
Lernzeiten in der Tagesstätte In der Regel machen die Realschüler am frühen Nachmittag ihre Hausaufgaben in der Lernzeit. Statt in die Lernzeit zu gehen, dürfen die Realschüler der Partnerklasse auch in der Lernzeit in der 8. Stunde in die Tagesstätte der Lebenshilfe gehen und dort mit der Kinderpflegerin, der Erzieherin und den Förderschülern Projekte durchführen. Oft werden Geschenke oder Schmuck für das Klassenzimmer gebastelt, Köstlichkeiten gebacken oder die Erzieherinnen geben Hilfe bei Hausaufgaben.
























Wie sieht ein möglicher Stundenplan für eine Partnerklasse aus?


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Ein möglicher Stundenplan für eine Partnerklasse in der 5. Klasse ist nebenstehend abgebildet. Die blau geschriebenen Stunden sind die Fächer, in denen alle Förder- und Realschüler immer gemeinsamen Unterricht haben. Die grün gedruckten Fächer sind weitere gemeinsame Zeiten. Zudem verbringen die Schüler auch das Frühstück gemeinsam. Eine Frühstücksstunde ist für den Klassenrat reserviert. In den leer gelassenen, aber rosa hinterlegten Feldern findet für beide Gruppen der Fachunterricht statt- Für die Förderschüler durch die Förderlehrerin im Gruppenraum und für die Realschüler im Klassenzimmer mit den entsprechenden Fachlehrern.





 

 


Werden in der Partnerklasse weitere Projekte und Unternehmungen durchgeführt?

In den Partnerklassen werden vielfältige Projekte durchgeführt, um noch mehr gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen. Diese können einen größeren Umfang haben, aber gerade im Alltag lassen sich besonders kleinere Projekte gut umsetzen.

Folgende Projekte wurden in den Partnerklassen schon durchgeführt:

  • Musical: Eine Zeitreise durch die Geschichte
  • Teilnahme am Projekt „Flashkids“

 

  • Unterrichtszirkel: „Quer durch die Steinzeit“ und „Bei den Römern“
  • Gemeinsamer Mathematikunterricht zu den Themen Messen, Wiegen und geometrische Figuren
  • Gemeinsamer Deutschunterricht zu den Themen Märchen und Sagen
  • gemeinsamer Erdkundeunterricht mit Experimenten rund ums Wetter
  • Gemeinsames Biologieprojekt zu dem Thema Wasser
  • Gemeinsame Ausflüge in verschiedene Museum
  • Teilnahme am Konzert der Schulbands im K4


Auch die Wandertage, den Schullandheimaufenthalt und unseren Schulfeiertag, den Tag der Menschenrechte am 10.12. verbringt die Partnerklasse zusammen.


Welche Vorteile bietet die Partnerklasse für mein Kind?


  • Ihr Kind lernt Verschiedenheit als Normalität zu begreifen.
  • Ihr Kind knüpft Freundschaften über die Grenzen von Schularten hinaus.
  • Ihr Kind lernt Schlüsselkompetenzen: Geduld, Toleranz, Empathie
  • Ihr Kind wird durch die kleine Gruppengröße des Realschulteils (max. 18 Schüler) im Fachunterricht besonders gefördert.
  • Ihr Kind wird individueller betreut. Der Personalschlüssel in der Partnerklasse ist besonders hoch. Förderlehrerin, Realschullehrerin und Kinderpflegerin stehen den Kindern bei Problemen gleichermaßen zur Verfügung. Bedingt durch diesen guten Personalschlüssel können auch mehr Ausflüge und Projekte in der Klasse angeboten werden.
  • Ihr Kind lernt von anderen und mit anderen.
  • Es lernt durch regelmäßige Klassenratssitzungen, Probleme sachlich zu besprechen und zu bereinigen.
  • Ein reibungsloser Übergang zwischen Förderschule und Realschule ist möglich: Oft haben, gerade Kinder mit einer Autismus-Spektrums-Störung, besondere Begabungen, die es ihnen ermöglichen, in einzelnen Fächern am regulären Realschulunterricht teilzunehmen. Für diese Kinder ist die Partnerklasse eine einmalige Chance. Einen besonderen Erfolg unserer Zusammenarbeit stellt ein autistischer Förderschüler dar, der zunehmend am Unterricht der Realschüler seiner Partnerklasse teilnahm und in der siebten Klasse durch die Förderung seiner Förderlehrerin, der Realschullehrer und der Schulbegleitung in die Realschulklasse ging. Bis dahin blieb er Schüler der Jakob-Muth-Schule, aber in seinem achten Schuljahr wurde er sogar als regulärer Realschüler in die GSR aufgenommen.



Worauf muss ich mich als Eltern einlassen?


  • Durch die oft erhöhte Anzahl von Ausflügen und Projekten, fallen im Monat Kosten in Höhe von ca. 5€ an.
  • Durch das gemeinsame Frühstück fallen Kosten in Höhe von 5-6€ pro Monat an.
  • Wünschenswert von Seiten der Schule ist es, dass sich die Eltern darauf einlassen, dass Fotos ihrer Kinder auf der Homepage der Schule, in der örtlichen Presse und im Jahresbericht der Schule veröffentlich werden würden.
  • Am Beginn der fünften Klasse muss sich jedes Kind an die besondere Klassenzusammensetzung gewöhnen. Startschwierigkeiten für alle Kinder der Partnerklasse können auftreten. Die Kinder müssen erst lernen, mit den individuellen Besonderheiten umzugehen, was ihnen oft schnell gelingt, da die Kinder in der ersten Schulwoche sehr viel Zeit miteinander verbringen. Gehen Sie als Eltern aber in dieser Zeit besonders auf Ihr Kind ein und hören Sie ihm geduldig zu. Ermutigen Sie es, durchzuhalten und sich auf die neue Situation einzulassen. Bei Fragen und Problemen können Sie sich jederzeit an die Klassenlehrerinnen wenden.



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